Männer des Westens (sind so)*

In seinem (auch bei uns weit über 100x verkauften) Bestseller „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ erzählt Yuval Noah Harari folgende (vermutlich erfundene) Geschichte:

Während des Trainings  für ihre Mondlandung trafen Armstrong und Aldrin in einer Wüste im Westen der USA einen Ureinwohner des dortigen Indianergebietes. Der Mann fragte sie, was sie denn da trieben, und die Astronauten erklärten, sie gehörten einer Forschungsexpedition an, die in Kürze auf den Mond fliegen würde. Als der alte Mann das hörte, schwieg er eine Weile, dann fragte er die Astronauten, ob sie ihm einen Gefallen tun könnten.

Buzz Aldrin & Neil Armstrong beim Feldtraining

„Was können wir für Sie tun“, fragten sie.

„Die Leute meines Stammes glauben, dass auf dem Mond heilige Geister leben, dürfte ich Sie bitten, ihnen eine wichtige Botschaft meines Volkes auszurichten?“

„Wie lautet die Botschaft“ , fragten die Astronauten. Der Mann antwortete etwas in der Sprache seines Stammes und bat die Astronauten, den Satz so lange zu wiederholen, bis sie ihn korrekt aufsagen konnten.

„Was bedeutet das?“, fragten sie ihn.

„Ach, das kann ich Ihnen nicht sagen“, antwortete er. „Das ist ein Geheimnis, das nur mein Stamm und die Mondgeister kennen dürfen.“

Zurückgekehrt zu ihrer Basis suchten sie jemanden, der diese Sprache verstand. Als Sie diesem den Satz aufsagten, lachte er und verriet Ihnen, was sie so gewissenhaft gelernt hatten: „Glaubt diesen Leuten kein Wort. Sie sind gekommen, um Euch Euer Land wegzunehmen.“

In seinem außergewöhnlichen Buch erzählt der israelische Wissenschaftler die Geschichte des Homo Sapiens. Er beschreibt die sukzessive Verdrängung und Ausrottung anderer Erdenbewohner, die Ausbeutung der Umwelt und auch die Selbstdegeneration seiner Art. So stellt er fest, dass der Mensch als Jäger und Sammler (ca. 70.000-15.000 v.Chr.) zum Überleben als Individuum über ein größeres Gehirnvolumen verfügte als der moderne Mensch von heute.

Vor allem stellt er aber die Frage, warum gerade der Mann des Westens ab der frühen Neuzeit begann, sich diese Erde untertan zu machen. Kein chinesischer Seefahrer des späten Mittelalters wäre auf die Idee gekommen, Länder, die er entdeckte, für seinen Herrscher zu okkupieren, wie dies Kolumbus, Magellan oder Cortez taten. Eroberung, Unterwerfung, Zerstörung und Ausbeutung sind unausweichliche Folgen jeder dieser Kolonialisierungen. Auch wäre nie ein Bewohner des Himalaya-Gebirges auf die Idee gekommen,diese Berge auch zu besteigen, wie es Mann und Frau des Westens als große Herausforderung sehen.

In seinem neuen Buch „Homo Deus“ (C.H.Beck 2017; 25,70 Euro [A] wagt Harari nun einen Blick in die Zukunft, in der die Bewohner der übrigen Welt schön längst das Wollen des „Westens“ übernommen haben.

Pantheon 2017; 15,50 Euro [A]
*frei nach Falco

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