Lesezirkel am 28.06.2018

Lesezirkel – Juni 2018: Virginie Despentes „Das Leben des Vernon Subutex 1“

Im aktuellen Lesezirkel wird diesmal der erste Teil einer Trilogie der französischen Schriftstellerin Virginie Despentes („Baise moi“) besprochen.

Das Buch

Zum Inhalt:

Die literarische Sensation aus Frankreich: ein grandioses Sittengemälde unserer Zeit.
Wer ist Vernon Subutex? Eine urbane Legende, der letzte Zeuge einer Welt von Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll. Einer, mit dem unsere Zeit es nicht gut meint und der trotzdem für eine ganze Generation steht – und für das glanzvolle, furiose Comeback seiner Erfinderin Virginie Despentes.

Als der Roman 2015 in Frankreich erschien, erregte er unmittelbar großes Aufsehen. Wochenlang führte er die Bestsellerlisten an, war für zahlreiche Preise nominiert, die Kritik überschlug sich. Erzählt wird die Geschichte von Vernon Subutex und seinem rasanten sozialen Abstieg. Mit seinem Plattenladen hat er Pleite gemacht und steht nun auf der Straße. Weil er sich und der Welt sein Scheitern nicht eingestehen will, nimmt er Zuflucht zu einer Notlüge, die es ihm ermöglicht, sich übergangsweise reihum bei seinen alten Freunden einzuquartieren, die er zum Teil seit Jahren nicht gesehen hat. So entsteht ein vielstimmiges Panorama einer Gesellschaft am Abgrund. Man begegnet den ganz normal Gescheiterten, den scheinbar Erfolgreichen, den Schrillen und den Durchgeknallten.

Despentes erspart ihren Figuren nichts, lässt kein gesellschaftliches Thema unberührt, die Islamismusdebatte ebensowenig wie den Aufstieg der Rechten. So gelingt ihr ein beeindruckender literarischer Rundumschlag, ungestüm und trotzdem humorvoll, in dem jedes Wort sitzt, jeder Satz nachhallt. Ein großer Wurf, in Frankreich nicht umsonst mit Balzacs ‚Die menschliche Komödie‘ verglichen.

Die Autorin

Virginie Despentes, Jahrgang 1969, hierzulande bekannt als Autorin der ‚Skandalbücher‘ ‚Baise-moi – Fick mich‘, ‚Apokalypse, Baby‘ und ‚King Kong Theorie‘, hat sich mit den Vernon-Subutex-Romanen in den Olymp der zeitgenössischen französischen Schriftsteller geschrieben. Die Bücher waren in Frankreich Riesenbestseller und werden gerade als Serie fürs Fernsehen verfilmt. Despentes war mehrfach für den Prix Goncourt nominiert. Seit Anfang 2016 ist sie Mitglied der Jury.

Klassiker-Lesezirkel am 24.05.2018

Klassiker-Lesezirkel – Mai 2018: Carlo Levi „Christus kam nur bis Eboli“

Im aktuellen Lesezirkel wird diesmal die große literarische Dokumentation des italienischen Südens – ein Klassiker des italienischen Neorealismus besprochen.

24.05.2018, 19 Uhr; Christus kam nur bis Eboli von Carlo Levi

Zum Inhalt:

Lukanien, ganz unten am Stiefel. Dort, wo Eisenbahn und Straße die Küste von Salerno verlassen, liegt Eboli, und dahinter beginnt der Mezzogiorno, dessen Bewohner sagen: „Wir sind keine Menschen, keine Christen, wir sind Tiere, denn Christus kam nur bis Eboli, aber nicht weiter, nicht zu uns.“

In diese gottverlassene Gegend bringen im Spätsommer 1935 zwei Carabinieri den Turiner Arzt Carlo Levi. Er ist ein confinato politico, einer, den das Regime wegen seiner antifaschistischen Aktivitäten aus der Großstadt in die Verbannung schickt. Ernste und von Malaria ausgezehrte Gesichter blicken ihm entgegen. Die Kargheit der von der Zivilisation unberührten Landschaft findet Ausdruck in der resignativen Haltung der Bauern und ihrer Schicksalsergebenheit.

Levi gewinnt jedoch die Zuneigung dieser Menschen, als er den anscheinend sinnlosen Kampf gegen die Malaria aufnimmt. In den zwei Jahren seines Zusammenlebens mit ihnen betreut der Arzt Levi die Kranken, der Schriftsteller und Maler in ihm porträtiert Jahre später die Landschaft und ihre Menschen: Eindringlich erfaßt Carlo Levi das archaische Leben im Mezzogiorno, den Alltag dieser Bauern, ihre Kümmernisse und Krankheiten, aber auch ihre Feste, ihre geheimen Hoffnungen und Wünsche. Doch nach seiner Abreise sinken die Menschen in ihr dumpfes Dasein zurück. „Es regnet auf den, der schon naß ist“, sagt man in dieser Gegend.

Der Autor
Carlo Levi wurde 1902 in Turin als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. Er studierte Medizin und schloß sich schon früh der linksintellektuellen, antifaschistischen Arbeiterbewegung an. Später sollte er zu einer der führenden Persönlichkeiten des italienischen Widerstandes werden. Noch während des Studiums wendet er sich der Malerei zu und arbeitet bis zum Verbot seiner Bilder in Italien erfolgreich als Maler. Mitte der zwanziger Jahre geht er in den Untergrund, wird 1935 verhaftet und in die Verbannung nach Süditalien geschickt. Nach der Befreiung Italiens leitet er in Rom die linksliberale Tageszeitung Italia Libera. Er lebte bis zu seinem Tod 1975 als Maler und Feuilletonist.

Lesezirkel am 26.04.2018

Lesezirkel – April 2018: Emily Ruskovich „Idaho“

Im aktuellen Lesezirkel wird diesmal das Romandebüt der amerikanischen Autorin Emily Ruskovich besprochen.

26.04.2018, 19 Uhr; Idaho von Emily Ruskovich

Zum Inhalt:

Ein flirrender Sommertag in Idaho: eine Familie im Wald, die beiden
Mädchen spielen, die Eltern holen Brennholz für den Winter. Die Luft
steht, die Mutter hat ein Beil in der Hand – und innerhalb eines Augen-
blicks ist die Idylle zerstört. Ist es Gnade, dass der Vater, Wade, lang-
sam sein Gedächtnis verliert? Bald wird er nicht mehr wissen, welche
Tragödie sich an jenem Tag abgespielt hat, wie seine Töchter hießen
und seine Frau, Jenny, die zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Auch
Ann, die Frau, deren Liebe groß genug ist, um zu Wade in das leere Haus
zu ziehen, wird nie den Hergang der Tat erfahren. Aber mit jedem Tag
an Wades Seite erkundet sie genauer, was damals geschehen ist, und
nimmt schließlich Kontakt zu Jenny auf. Ein atemberaubender Roman
über das Unbegreifliche in uns.

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Buchtipp – Stefan Kutzenberger: Friedinger

„Friedinger“ ist Stefan Kutzenbergers erster Roman.

Wer den Autor Stefan Kutzenberger näher kennen lernen möchte, sollte das Buch lesen. „Friedinger“ gehört zu jenem Genre, bei dem sich um eine scheinbare Autobiographie eine Handlung spinnt. Wobei Fiktion und eben Autobiographie für den Leser oft schwer zu trennen sind. Der Protagonist des Buches „Stefan Kutzenberger“ macht auch kein Hehl daraus, dass Autoren wie Kermani, Knausgard, oder Emanuel Carrére seine Vorbilder sind.

Der Autor Stefan Kutzenberger

Der Plot ist schnell erzählt.

Der (Anti-)Held des Buches nimmt sich eine Auszeit, um endlich seinen ersten Roman zu „beenden“, d.h. endlich einmal zu beginnen und wird dabei von seiner Frau unterstützt, indem sie ihm eine Reise in ein abgeschiedenes Nest auf Kreta finanziert. Dort gerät Kutzenberger unweigerlich in eine Venusfalle, verkörpert durch eine 15 Jahre jüngere französische Rucksacktouristin, der er völlig irritiert auf einem FKK-Gelände hinterherhechelt. Der Showdown besteht darin, dass Stefan im Vollrausch das Zelt seiner Angebeteten völlig mit Kot und Kotze besudelt.

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Lesezirkel am 22.02.2018

Lesezirkel – Februar 2018: Richard Ford „Zwischen ihnen“

Im aktuellen Lesezirkel wird wieder einmal ein Buch des US-amerikanischen Autors Richard Ford („Der Sportreporter“) besprochen. Das letzte Buch von ihm , das wir „durchgenommen“ haben, war „Kanada„. Diesmal geht es um die Beziehung zu seinen Eltern.

22.02.2018, 19 Uhr: Zwischen ihnen von Richard Ford

Richard Ford erzählt vom Amerika seiner Eltern: ein bewegendes Buch über Erinnerung, Familie und ein Land, das es so nicht mehr gibt. „Lesezirkel am 22.02.2018“ weiterlesen

Lesung aus „Friedinger“

Lesung mit Stefan Kutzenberger am 8.3. um 19 Uhr

Die Lesung findet bei uns in der Buchhandlung statt.

Rasant, skurril, selbstironisch: Stefan Kutzenbergers Romandebüt über einen verhinderten Autor und einen abenteuerlichen Politskandal.

Das einzig noch Lächerlichere als ein unpublizierter Autor ist ein Autor, der nicht schreibt…

Kutzenberger hat einen Schreiburlaub in Griechenland geschenkt bekommen. Jetzt könnte er endlich seinen Roman anfangen, wäre da nicht Friedinger, der ihm eine abenteuerliche Geschichte von verbotenen Waffenlieferungen und heimtückischen Morden erzählt, einem Skandal, in den die Spitzen der Politik verwickelt sind. Zu wem wollte der Pakistani, dessen Leben auf dem Linzer Voest-Parkplatz jäh endet? Was will der anonyme Anrufer, der Friedinger vor der Gefahr warnt, in der er nun schwebt, und warum führt eine Spur nach Amstetten? „Lesung aus „Friedinger““ weiterlesen

Männer des Westens (sind so)*

In seinem (auch bei uns weit über 100x verkauften) Bestseller „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ erzählt Yuval Noah Harari folgende (vermutlich erfundene) Geschichte:

Während des Trainings  für ihre Mondlandung trafen Armstrong und Aldrin in einer Wüste im Westen der USA einen Ureinwohner des dortigen Indianergebietes. Der Mann fragte sie, was sie denn da trieben, und die Astronauten erklärten, sie gehörten einer Forschungsexpedition an, die in Kürze auf den Mond fliegen würde. Als der alte Mann das hörte, schwieg er eine Weile, dann fragte er die Astronauten, ob sie ihm einen Gefallen tun könnten. „Männer des Westens (sind so)*“ weiterlesen

Erstes Date mit Bob Dylan

Tipps für ein erstes Date mit Bob Dylan.

Es ist wieder soweit! Am 16 April macht uns Bob Dylan in der Wiener Stadthalle seine Aufwartung – erstmals seit der Nobelpreisverleihung.

Wie bei den Stones wird sich der eine oder die andere wieder sagen: „Einmal muss man ihn schon gesehen haben“. Der Vorverkauf läuft so gut wie schon lange nicht mehr. Vielleicht sollte man aber nicht ganz unvorbereitet zu seinem ersten Date mit Bob Dylan gehen. Wichtig ist es zunächst, dass man pünktlich ist. Dylan und Band sind es immer. Ist das Konzert um 19:30 Uhr angesetzt, so beginnt es auch um 19:30 Uhr. „Erstes Date mit Bob Dylan“ weiterlesen

Die Buchhandlung Lerchenfeld in Wien

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freundinnen und Freunde der Buchhandlung Lerchenfeld in Wien,

wir freuen uns wirklich sehr, hier die neue Website der Buchhandlung Lerchenfeld in Wien präsentieren zu können. Bernhard Bastien hat letzten Herbst in einem dreitägigen Seminar gelernt, mit WordPress einen eigenen Webauftritt zu gestalten – hier ist das Ergebnis! Wir finden, die Seite kann sich wirklich sehen lassen. Eigentlich ist uns unsere alte Seite doch richtig ans Herz gewachsen, hat sie uns doch beinahe 15 Jahre begleitet, nur leider war sie den neuesten Anforderungen nicht mehr gewachsen.

Die alte Webseite der Buchhandlung Lerchenfeld in Wien.

Vor 15 Jahren konnte niemand ahnen, dass die Menschheit Websites künftig fast ausschließlich auf dem Smartphone betrachten wird. Damit konnte unsere alte Seite einfach nicht mithalten – sie war schlicht nicht „responsive“ genug 🙁

Was wollen wir aber überhaupt mit unserer Seite erreichen? Eine ansprechende Visitenkarte, die unseren analogen Laden im weltweiten Netz widerspiegelt. Es wird auch künftig keinen Webshop der Buchhandlung Lerchenfeld geben. Die Kontaktaufnahme und Bestellung kann gerne online erfolgen, die Bücher möchten wir Euch aber weiterhin persönlich im Laden aushändigen.

Die gemütliche Buchhandlung Lerchenfeld in Wien.

An dieser Stelle werden wir regelmäßig über aktuelle Neuerscheinungen und bemerkenswerte Bücher berichten. Wenn es von oder über Bob Dylan etwas Neues zu entdecken gibt, werden wir Euch hier auf dem Laufenden halten. Aber auch Infos zu anstehenden Veranstaltungen und die Beschreibungen der aktuellen Lesezirkelbücher werden hier zu finden sein. Nach einiger Zeit werden diese dann in den jeweiligen Unterkategorien archiviert.

Gerne könnt Ihr die jeweiligen Beiträge kommentieren oder mit Links, Shares, etc. bereichern. Hier soll, ebenso wie auf unserer Facebook-Seite, ein reger Austausch mit Euch stattfinden. Videos der Buchhandlung Lerchenfeld in Wien findet Ihr übrigens auch auf unserer YouTube-Seite.

Wir, Wolfgang Posautz, Bernhard Bastien und Hündin Ronja, freuen uns auf Euch: on- und offline!

Wolfgang Posautz, Bernhard Bastien und Ronja vor der Buchhandlung Lerchenfeld in Wien.